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Ankunft
Die ersten zwei Tage war ich erst einmal vollends begeistert. Konnte gar nicht glauben, dass ich jetzt wirklich da bin, wo mein Zeigefinger zuhause schon seit Wochen im Atlas war. Es kam mir alles so unwirklich vor- alles ist halt total anders, alles ist einem fremd. Aber schon bald gewöhnt man sich daran, dass eben alle Menschen, die anderen weißen Volontäre mal ausgenommen, auf den Straßen, im Bus oder im Laden schwarz sind. Man wundert sich schon, wenn einem dann mal wieder ein Weißer begegnet. Das gibt einem irgendwie ein Gefühl, an einem außergewöhnlichen Ort zu sein - und das ist man ja auch. Dass hier der Tourismus noch nicht so eingeschlagen hat, wie zum Beispiel in Kenia oder Tunesien, sah ich für mich auf der ganzen Reise als großen Vorteil an. Man kann sich eben nicht hinter seiner Reisegruppe verstecken oder sich in seinem Hotelparadies verschanzen, sondern muss sich im wirklichen System Ghanas zurecht finden. Das bezieht sich z.B. auf die tägliche "Nahrungssuche", auf die Beförderungsmöglichkeiten oder das Erkunden einer Stadt.
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| Accra Die erste Woche hatte ich Zeit, Ghanas Hauptstadt Accra kennenzulernen. Weil das Volu-Office zur Zeit meiner Ankunft voll war, hat mich ein ghanaischer Volontär bei sich aufgenommen. Dieser Umstand ermöglichte mir einen direkten und interessanten Einblick in einen ghanaischen Haushalt. Andere ghanaische Volontäre, die sich öfters am Volu-Office aufhielten, begegneten einem mit Worten wie "Nice to meet you" oder "Welcome to Ghana" sehr aufgeschlossen und freundlich. Es wird einem oft angeboten, sich die Stadt zeigen zu lassen, auf ein Fest oder in die Kirche zu gehen. Somit hat man wirklich oft die Möglichkeit, hautnah ghanaischen Alltag zu erleben. Ich selbst nahm zum Beispiel an einer Hochzeit oder an einer Beerdigung teil. Nachdem wir dann in Accra noch das Zwillingsfestival miterlebt haben, ging es dann zum Workcamp, das vom 14.8. bis 4.9.98 in dem Dorf Mayera stattfinden sollte. |
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Workcamp
in Mayera Am ersten Arbeitstag wurden zwei von Pflanzen zugewachsene Wasserpumpen freigelegt, die vom Dorf aus Ungewohnheit nicht benutzt geworden sind. Am zweiten Tag haben wir erst einmal eine Stunde den Arbeitsplatz gesucht. Nach dem idyllischen Durchqueren von Maisfeldern und Elefantengras fanden wir ihn schließlich: eine Schule. Als erstes haben wir den gesamten Betonboden in der Schule herausgenommen, da man der Ansicht war, der Boden sei nicht gut genug. Dann haben wir einen Graben an der Schule entlang gelegt. Als wir fragten, wofür das sei, klärte man uns auf: Der Graben sollte als Blumenbeet dienen. Da wir schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als drei Stunden auf der "Worksite" verbrachten, erhielten wir so langsam aber sicher den Eindruck, dass es gar keine richtige Arbeit für uns gab. Zuletzt gruben wir noch ein großes Loch, dessen Sand wir zur Schule karrten. Wir benötigten ihn, um einen neuen, besseren Betonboden herzustellen. Dafür fehlte aber immer noch der Zement und der Experte, der uns die Arbeit erklären sollte. Hinzu kam, dass es nur vier Spitzhacken, drei Schaufeln und zwei Schubkarren für die 38 Leute gab. Zum Schluß verbrachten wir täglich nur noch eine gute Stunde auf der Worksite, von der man selbst gerade mal 15 Minuten ein Arbeitsgerät in der Hand haben konnte. Man sah nach ein paar Tagen jedem die fehlende Motivation an, weil jedem klar war, dass wir diese Arbeit nur machten, um nicht gar nichts zu tun. Ich vermag nicht zu sagen, wo das Problem dieser Desorganisation lag. Einerseits hat sich anscheinend das Dorf nicht an die Abmachung gehalten, Material zu besorgen, andererseits halte ich es auch für die Aufgabe der Partnerorganisation, zu prüfen, ob zum Workcamp-Beginn Arbeit und Material vorhanden sind. Kontakt zu dem Dorf gab es nur bedingt. Abgesehen von einem Freundschafts-Fußballspiel kam man sich nicht näher. So weit ich gehört habe, wurde das Dorf gar nicht über unseren Aufenthalt und unsere Absicht zu helfen unterrichtet. Vom Dorf ließ sich keiner bei uns blicken. Aber auch wir stellten keine Verbindung her. An dieser Stelle wurde meiner Ansicht nach verpasst, mit dem Dorf Gespräche zu führen und vorhandene Probleme durch spontanes Handeln zu überspielen. Es gab bestimmt sinnvollere Arbeit im Dorf Mayera, als die wir getan haben. Ansonsten verstanden wir Volontäre uns gut, auch wenn wir Europäer immer wieder über Kleinigkeiten enttäuscht waren. Es gab manche ghanaische Volontäre, die von dem "reichen" Weißen erwarteten, ihm seinen Drink zu oder das Taxi zu bezahlen. Dieses Missverständnis muss dringend ersteinmal aus dem Weg geräumt werden, bevor man weitere Aktionen vornimmt, ansonsten wird wahrscheinlich nicht das eigene Reisegeld reichen. Man muss einfach erklären, das einem selbst Grenzen gesetzt sind, dass wir im Gegensatz zu ihnen zwar reich sind, aber auch für uns diese gesamte Reise eine echt kostspielige Sache ist. Man fährt gut damit, von vornherein solch frustrierende Erlebnisse zu vermeiden, weil man sich sonst durch schlechte Erfahrungen anderen gegenüber zu misstrauisch verhält. Ein weiterer Punkt ist, dass wir schon am Volu-Office das Gefühl hatten, dass manche Ghanaer hauptsächlich darauf aus sind, mit einer Weißen zusammen zu kommen oder Trommeln zu verkaufen. Auch wenn dieses Gefühl so nicht zu rechtfertigen ist, gelangt man an einen Punkt, an dem man sich fragt, wem man wirklich als Freund vertrauen kann. Ich unterstelle den Ghanaern keine Boshaftigkeit, denn erstens suchen auch manche Weiße nach einer exotischen Beziehung, zweitens müssen auch sie irgendwie ihr Geld verdienen und drittens haben auch viele nur freundschaftliche Absichten. Man muss einfach lernen, damit umzugehen. Auch mit dem Umstand, dass man immer wieder gebeten wird, ihnen bei ihrem Visum zu helfen und sie einzuladen. Diese Einladung soll ihnen helfen nach Europa kommen zu können. Obwohl ich das bezweifle, rate ich davon ab, solche Einladungen zu schreiben, da man dadurch in Schwierigkeiten geraten könnte. Ob man allerdings den Ghanaern die eigene Addresse gibt, muss man selbst entscheiden; ich habe darin kein Problem gesehen und will so manche Kontakte per Briefverkehr aufrecht erhalten. Ansonsten hatten wir im Workcamp die Chance, viele Gespräche mit den Ghanaern zu führen und die Probleme des Landes und der Bevölkerung verstehen zu lernen. Abends war meist eine Stunde "Entertainment" in dem wir Volu-Songs sangen und getrommelt wurde. Manchmal spielten wir und einmal hatten wir sogar einen Witzeabend. Wir Europäer haben sogar eine "European Night" organisiert, in der wir "Bruder Jakob" in verschiedenen Sprachen sangen und ein Quizspiel über Europa führten. Das machte den Ghanaern und uns reichlichen Spaß. Abgesehen vom Wasser war die Versorgung in Ordnung. Klar, dass man sich nicht selten nach leckerem europäischen Essen gesehnt hat, wen es dann wieder "Kinkey" oder "Banku" gegeben hat, aber letztendlich hat man dadurch, manchmal halt unfreiwillig, einen Einblick in die ghanaische Küche erhalten, der man sich als normaler Tourist vielleicht nicht in diesem Maße angenähert hätte. Mit der Verdauung hatte übrigens jeder von uns in irgendeiner Weise zu kämpfen, aber das ist wohl in vielen fremden, besonders tropischen Ländern der Fall. Ein Wochenende machten wir einen Ausflug zu den Botanischen Gärten von Aburi. Das war eigentlich eine nette Sache, aber leider gab es bei der Finanzierung Probleme, da die meisten Ghanaer die nötigen (umgerechnet) fünf Mark nicht bezahlen konnten. Es lag dann an uns Europäern, mehr Geld zu geben, um die Fahrt zu ermöglichen. Zum Glück hat sich in unserem Camp, im Gegensatz zu anderen, nicht die Malaria breit gemacht. Auch sonst gab es keine wirklich ernsten Vorfälle. Als sich nach zwei Wochen bezüglich der Arbeit noch immer nichts getan hat, entschlossen Marlies (Niederlande), Pia, Verena und ich, mit Erlaubnis des Campleiters, das Workcamp zu verlassen. Im Volu-Office beschwerten wir uns, was einen Besuch der Volu-Organisation beim "Work"camp zur Folge hatte. Sie stellten dann dem Dorf Mayera das Ultimatum, innerhalb den nächsten zwei Tagen Material für die weitere Arbeit zu besorgen. Da dies nicht erfolgte, wurde das Camp frühzeitig geschlossen.
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| Molenationalpark Wir sind anschließend dann noch durch das Land gereist. Wir waren im Molenationalpark, wo wir Antilopen, Elefanten, Affen und andere Tiere gesehen haben. Allerdings hat in man in der Trockenzeit von November bis April wesentlich mehr Glück, viele Tiere zu sehen, weil dann das Wasserloch vor dem Hotel begehrter ist. |
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| Kumasi
Sehr gefallen hat uns die zweitgrößte Stadt Ghanas Kumasi. Besonders, wenn man von der doch sehr dreckigen und unruhigen Stadt Accra nicht so begeistert war, stellt Kumasi eine Alternative dar. Hier ist es sauberer und angenehmer. Eine Ausnahme stellt der Central Markt, größter Markt Ghanas, dar. Weil Kumasi sehr hügelig liegt, hat man von vielen Punkten aus eine tolle Sicht auf die Stadt. Sehr zu empfehlen ist hier das "Presbyterrian Guesthouse"(10DM/DZ). Hier halten sich viele Reisende auf, man hat die Möglichkeit sich in einer Gemeinschaftsküche etwas zuzubereiten und es liegt sehr günstig in der Stadt. In der Nähe ist ein chinesisches Restaurant und der Imbiß "BabooBazar", wo man jeweils für zwei bis fünf Mark lecker essen kann. |
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| Kokrobite Zum Entspannen ist Wendy`s Place in Kokrobite (i.d.Nähe von Accra) zu empfehlen. Hier kann man sich einen faulen Lenz machen, ohne irgendwie in Stress zu geraten. Die Inhaberin, eine Engländerin, ist sehr freundlich und man kann sich hier sogar Bücher ausleihen oder austauschen (auch deutsche!). In Kokrobite kann man nicht viel einkaufen, weswegen man Essen mitbringen sollte. Oder man nutzt den leckeren Service von Wendy: Frühstück 2DM, Lunch/Dinner je 4DM. Für ein Doppelzimmer zahlt man wieder 10DM.
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| Ada Ein echter Geheimtipp ist aber Ada, dort wo der Volta in den Atlantik mündet. Man setzt von Adafoah mit dem Boot zum "Paradise Beach Camp" (10 DM/DZ) über, das sich am letzten Landzipfel befindet. Man schläft auf Strohmatratzen in Strohhütten und auch hier kann man sich wieder für wenig Geld versorgen lassen. Man kann sich einfach in der Hängematte hängen lassen, an den Strand legen oder im Fluss baden. An dieser Stelle ist keine Gefahr der Billharziose, da wegen dem Meer viel Bewegung und Salz im Fluß vorhanden ist. Ansonsten sollte man natürlich jegliche stille Gewässer meiden. Man ist hier fast für sich alleine und wird durch nichts gestört - nur Sonne, Strand, Palmen und Wasser. Ein Tipp noch: Bitte nicht mit dem "Paradise Beach Hotel" verwechseln - das kostet nämlich 100DM/DZ!!! |
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Allgemein Auf der ganzen Reise kann man immer günstige Hotels finden ,wenn man seine Ansprüche nach unten schraubt. Essen kann man an der Straße oder in Restaurants und Cola und Fanta findet man sogar im Norden. Auf jedenfall kann man gut mit 15-25DM am Tag, einschließlich Unterkunft, Essen und Reisen, auskommen. Wenn man Englisch einigermaßen gut beherrscht, kann man sich gut zurecht finden. Die allermeisten Ghanaer sprechen Englisch. Als Reiseführer empfehle ich den Peter Meyer Reiseführer, auch wenn der ghanaische Autor durch seine Schwärmereien teilweise zuviel verspricht.
Fragen, Kritik oder Anregungen? Bitte Mail an reise@netzig.de >>Zur Übersicht ___________________________
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